Forderungen des Berliner Bildungs­­­­­­­bündnisses zur Abgeordneten­hauswahl 2026

Anlässlich der anstehenden Wahlen fordert ein breites Bündnis Berliner Bildungsakteur*innen gezielte Kraftanstrengungen für die Umsetzung einer gerechten, inklusiven und demokratischen Schule für alle. Dabei muss die gesamte Bildungskette von der Kita bis zur beruflichen Bildung/ Hochschule mitgedacht werden.

Das Berliner Schulwesen ist geprägt von jahrelangem Personalmangel und einer Qualitätsdebatte, die zu kurz greift. Bestehende Strukturen verstärken soziale Ungleichheiten, Inklusion wird nur unzureichend umgesetzt. Schülerinnen und das pädagogische Personal sind vielfach überlastet.

Qualität von Schule hängt maßgeblich davon ab, wie die Ausbildungs-, Arbeits- und Lernbedingungen sind. Für eine hochwertige schulische Bildung sind nicht nur zusätzliche Ressourcen nötig, sondern ein grundlegendes Umdenken.

Unsere Kernforderungen

Für mehr Bildungsgerechtigkeit und Durchlässigkeit braucht es strukturelle Veränderungen:
  • Überwindung der Brüche zwischen Grundschule und weiterführender Schule und Abbau von Selektionsmechanismen u. a. durch Überarbeitung der Zugangsregelungen (Probeunterricht)
  • Ausbau von Gemeinschaftsschulen
  • Perspektivisch Transformation hin zu einer Schule für alle

Inklusion an jeder Schule

  • Konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
  • Umwandlung von Förderzentren zu Regelschulen mit entsprechender Ressourcenausstattung
  • Senkung der Separationsquote

Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit

  • Kostenfreie Lehr- und Lernmittel
  • Effektive Strukturen zum Schutz vor Diskriminierung
  • Ungleiches ungleich behandeln, u. a. durch sozialindizierte räumliche, sächliche, personelle Ausstattung
  • Anerkennung und Wertschätzung vieler verschiedener überfachlicher Kompetenzen
  • Stärkung der beruflichen Orientierung
Schule muss ein demokratiestiftender und wertschätzender Lebens-, Lern- und Arbeitsort für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft sein.
  • Stärkung des demokratischen Schullebens und der politischen Bildung
  • Ausbau kritischer Medienkompetenz und Mediensuchtprävention

Wohlergehen und Lernkultur

  • Mehr Fokus auf mentale Gesundheit und Wohlergehen aller Schüler*innen und des gesamten schulischen Personals
  • Entlastung der Schüler*innen und der Lehrkräfte durch Reduzierung von Klassenarbeiten, Klausuren und Vergleichsarbeiten
  • Mehr Raum für alternative Formen der Lernentwicklungsbeurteilung anstelle von Noten

Mitbestimmung und Beteiligung

  • Stärkung demokratischer Mitbestimmung und Ausweitung der Verantwortungs- und Gestaltungspielräume für Schüler*innen, Eltern und des gesamten pädagogischen und nicht-pädagogischen Personals
  • Einrichtung von unabhängigen Beschwerde- und Korrekturstrukturen für pädagogisches, nicht-pädagogisches Personal und Schüler*innen außerhalb der Senatsbildungsverwaltung für einen wirksamen Schutz vor Machtmissbrauch und transparente Aufarbeitung von Fehlverhalten
Um die Qualität von Schule nachhaltig zu sichern, ist eine ausreichende und bedarfsgerechte Personalausstattung unerlässlich.
  • Mehr Personal und Vertretungsreserven
  • Entlastung des gesamten schulischen Personals
  • Erhalt aller vorhandenen Lehrkräftestellen – Keine Kürzungen
  • Verbesserung des Personalschlüssels im Ganztag
  • Mehr Zeit für Klassenleitung, Schulorganisation, Schulentwicklung, Teamarbeit und Kooperation
  • Ausbau multiprofessioneller Teams als Regelausstattung an allen Schulen
  • Sozialindizierte Personalausstattung aller Schulen
  • Kleinere Lerngruppen im Unterricht und Ganztag

Personalgewinnung und Ausbildung

  • Ausbau der Lehramtsstudienplätze
  • Verbesserte Anerkennung im Ausland erworbener Lehramtsabschlüsse
  • Reform der Lehrkräfteausbildung: stärkere Praxisverzahnung ab dem ersten Semester nach dem „Charité-Prinzip“

Referendariat und Berufseinstieg

  • Keine Ausweitung des eigenverantwortlichen Unterrichts ohne Evaluation der Belastung
  • Aufbau ausreichender Mentoring-Strukturen
  • Verbindliche Begleitung beim Berufseinstieg

Qualitätssicherung und Steuerung

  • Verbesserung der Steuerung im Bildungswesen für Führungskräfte wie Schulleitungen und Schulaufsichten sowie Fort- und Ausbildende durch eine fundierte, unabhängige und wissenschaftsbasierte Ausbildung
  • Weitergehende Qualifizierung über die bisherigen internen Weiterbildungen hinaus durch Etablierung von Leitungs- und Ausbildungsaufgaben als eigenständige Berufe mit klaren Qualitätsstandards

Eine gerechte und zukunftsfähige Schule für alle ist möglich – dafür müssen in der kommenden Legislaturperiode grundsätzliche konkrete politische Entscheidungen getroffen werden, unter Beteiligung der Zivilgesellschaft.

Bündnispartner*innen

Berliner Bündnis für schulische Inklusion
Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule (GGG)
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin (GEW BERLIN)
Grundschulverband Landesgruppe Berlin (GSV)
Landeselternausschuss Schule (LEA)
Landesschüler*innenausschuss (LSA)
Landesausschuss des pädagogischen Personals (LPP)
Lautwerden für Bildung (LWfB)
Lehramt am Limit (LAM)
Schule muss anders (SMA)